
1722 gründete August der Starke per Erlass das Gestüt Graditz. Der Hauptzweck dieses Hofgestütes war die Beschaffung von Pferden für den kurfürstlichen Marstall. So verwundert es nicht, dass die Oberaufsicht über das Gestüt beim Oberstallmeister, dem auch der Marstall unterstand, lag. Der Bedarf an Pferden am Hofe war gigantisch. So ist verbürgt, dass für eine Reise des Kurfürsten nach Polen nicht weniger als 127 Wagen erforderlich waren - alle vierspännig gefahren. Schon früh erkannte man, dass nur bewährte Deckhengste in
der Zucht der fürstlichen Vierbeiner eingesetzt werden sollten. Dies
hatte zur Folge, dass die Beschäler nur Die Wirren des Siebenjährigen Krieges (1756 - 1763) sowie des Napoleonischen Krieges (Höhepunkt 1811 - 1814) sorgten für eine Zäsur in der bis dahin prosperierenden Entwicklung des Gestüts. In den sächsischen Hofgestüten wurden durch die französischen, preußischen und russischen Truppen 68 Beschäler, 237 Zuchtstuten, 1222 Fohlen, 33 Dienstpferde und diverse Futtermittel geraubt. Als Ergebnis des Napoleonischen Krieges wurde die Region Torgau - und damit auch Graditz - Preußen zugeschlagen und das Gestüt wurde zum königlich - preußischem Hauptgestüt. Bereits in 1816 wurde die Landespferdezucht wieder aufgenommen. |
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| 1866 - 1945 | ||
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Graf G. Lehndorff |
Im Jahre 1866 kam es unter Führung des Grafen Georg v. Lehndorff - Oberlandstallmeister der preußischen Gestütsverwaltung und Landstallmeister des Hauptgestütes Graditz - zu einer Zentralisierung der auf verschiedene Gestüte verteilten Vollblutpferde und einer anschließenden Konsolidierung. Der vorhandene Bestand wurde planmäßig mit Blut aus dem Originalzuchtgebiet England aufgefrischt. So wurde auch einer der wichtigsten Linienbegründer der deutschen Vollblutzucht erworben - Dark Ronald. Für stolze 30.000 Goldmark kam der Vorfahre von Surumu, Acatenango, Platini und Lando nach Graditz. Eine aktive Bautätigkeit begleitete den Aufbau der Vollblutzucht. Im Ergebnis der Entwicklungen dieser Jahre verfügte der Gestütsbetrieb über gut geschultes Personal, eine genetisch moderne Stutenherde, hervorragende Stallanlagen und optimale Weideverhältnisse. Bei diesen Voraussetzungen ließen die züchterischen Erfolge nicht lange auf sich warten (siehe Rennstall Graditz). Um 1930 - 1940 war die Vollblutherde geprägt durch Dark Ronald und die 1905 ebenfalls aus England importierte Stute Sainte Alvere und deren Tochter Antwort. |
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| 1945 - 1990 | ||
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Alchimist, v. Herold a.d. Aversion |
Mit Ausgang des 2. Weltkrieges kam es zur völligen Auflösung der Vollblutherde. Ein Teil der Stutenherde wurde als Kriegsbeute nach Russland verbracht. Der Derbysieger Alchimist endete in der Feldküche sowjetischer Soldaten, nachdem sich der Hengst geweigert hatte, sich vor einen Wagen spannen zu lassen. Ernährungsprobleme sowie die anschließende Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone taten ein übriges. Der Wiederaufbau der Graditzer Vollblutzucht konnte erst nach 1948 auf der Basis der rechtzeitig nach Westdeutschland evakuierten Hoppegartener Rennpferde sowie hochwertiger Zukäufe (u.a. Angeber, Atatürk, Grande) aus westdeutschen Zuchten beginnen. Der Pferdebestand wurde relativ zügig auf 100 Vollblutstuten aufgebaut. International wurde es ruhiger um das Gestüt, jedoch innerhalb der Vollblutzucht des Ostblocks hatte man eine gute Position. Allein 15 Sieger im Hoppegartener Derby belegen dies eindrucksvoll. |
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| 1990 - heute | ||
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Das Sächsische Hauptgestüt
Graditz ist das Kernstück des Ortsteiles Graditz, welcher seit 1999 zur
Stadt Torgau gehört. Das Hauptgestüt ist Eigentum des Freistaat Sachsen
und gehört zur Sächsischen Gestütsverwaltung. Kern der Gestütsanlage
bildet der Gutshof mit den an drei Seiten umgebenden Stallgebäuden und
den hinsichtlich Größe und Gestaltung dominierenden Schlossgebäude oder
auch als Herrenhaus bezeichnet. Die gesamte Gestütsanlage mit dem
Schlossgebäude steht unter Denkmalschutz. Nach der deutschen
Wiedervereinigung entschied der Freistaat Sachsen, nur die Warmblutzucht
im Interesse der Landespferdezucht fortzuführen. Die heute in Graditz
aufgezogenen Vollblutpferde laufen wieder unter den klassischen
Rennfarben. Mit dem Jahre 1992 hat sich der Freistaat Sachsen
entschieden, die Englische Vollblutzucht zu privatisieren. Auf der
Grundlage eines Staatsvertrages war Herr Markus Buchner bis 2007 der
erste Pächter. Nach Auslaufen des Vertrages hat nun Hans Wirth die
Fortsetzung übernommen. |
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